Warungen und Verbote können den dreizehnjährigen Elias und seine kleine Schwester Vanessa in ihrer Neugier nur noch bestärken. Eines Nachts schleichen sie sich wie Diebe in den verbotenen Keller des heimatlichen Schlosses. Was sie dort schauerliches entdecken, wird ihnen nicht nur eine schlaflose Nacht bereiten, sondern ihr ganzes, weiteres Leben bestimmen.

Hier gibt es eine Kostprobe aus einem zukünftigen Romanprojekt:


"Vanessa ging vorne und ich folgte einfach dem gelben Licht ihrer Kerze. Hin und wieder blieb sie stehen, weil sie eine Ratte gesehen hatte. Nicht dass sie Angst hatte. Sie hatte immer schon lieber mit den Tieren gespielt, die im Haus herumliefen, als mit ihren Puppen.
Nachdem sie schon zum dritten Mal angehalten hatte, drehte sie sich plötzlich zu mir um und sah mich mit großen Augen an.

„Elias. Da war schon so lange keine Ratte mehr!“
„Na und?“ fragte ich und zuckte die Schultern. Wenigstens konnte sie diese Viecher nicht fangen und ins Zimmer mitnehmen.
„Hier war auch sonst kein Tier,“ sagte sie und blieb dabei ganz erst.
„Denen ist vielleicht zu kalt – was weiß ich ....“
„Da ist irgendwas.“
„Dann sollten wir nachschauen gehen, was das ist.“

Wir waren uns ausnahmsweise einig und gingen weiter. Plötzlich begann Vanessa schneller zu laufen und sie entfernte sich ein wenig von mir. Ich lief der gelben Flamme nach. Als ich sie fast eingeholt hatte, streckte ich die Hand aus, um sie an der Schulter zu fassen. Doch meine Hand griff ins Leere. Alleine die gelbe Flamme schwebte noch irgendwo vor mir in der Finsternis."

....

Illustration:
@ Tina Müllner

Text:
© Astrid Stangl